Projektformate

 

Museale Vermittlung ist kulturelle Bildung und muss als Teil der Allgemeinbildung für alle Kinder und Jugendlichen einfach zugänglich sein. Heranwachsende sollen bei "Museum macht stark" erleben, welche Möglichkeiten ein Museum bietet, wie eine öffentliche Bildungsinstitution von innen funktioniert und welchen Spielraum sie für lebenslanges Lernen bietet.

Nicht der/die Besucher*in von morgen soll herangebildet werden, sondern das Kind und der/die Jugendliche von heute sollen sich optimal und aktiv entwickeln. Beide Projektformate wechseln zwischen Prozess- und Ergebnisorientierung. Im Fokus beider Formate steht die aktive Handlungsorientierung. Die konkrete methodische Ausgestaltung richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten.

Format 1: Von uns - für uns! (Peer-Education)

Dieses Format ist für alle interessierten Antragsteller (Museen) offen.

Das Format 1 setzt auf die Möglichkeiten der positiven Peer-Kultur und Peer-Education. Aus den Erfahrungsberichten der bisherigen Bündnisse ist bekannt, welchen positiven Effekt es auf das Selbstvertrauen und die Souveränität der einzelnen Teilnehmenden hat, wenn er/sie selbst erlebt, Gleichaltrigen etwas beibringen zu können. Dies stärkt das individuelle, positive Selbstkonzept. Es ermöglicht auch Erfahrungen, die aus dem Projektformat hinaus übertragbar sind auf andere, selbstbestimmte Bildungsaktivitäten. 

Dauer   Zwei Wochen (Ferienaktivität) bis sechs Monate (bei wöchentlichen Treffen).
Frequenz   Mehrmalige Treffen, wiederholte Projektdurchführung mit anderen Teilnehmenden möglich und erwünscht.

Teilnehmendenzahl/ Stadt

  Mindestens 30 Kinder und Jugendliche sowie zusätzlich deren Eltern (10 bis 12 Teilnehmende durchlaufen als Peer-Teamer*innen die Ausbildung und 20 bis 25 Peers werden von den Peer-Teamer*innen angeleitet).

Teilnehmendenzahl/ Land

  Mindestens 20 Kinder und Jugendliche sowie zusätzlich deren Eltern (8 bis 10 Teilnehmende durchlaufen als Peer-Teamer*innen die Ausbildung und 12 bis 20 Peers werden von den Peer-Teamer*innen angeleitet).
Gesamtförderung   Bis 12.000 Euro; siehe Musterkalkulation.

Die Umsetzung des Formates gliedert sich in fünf Teilschritte.

Schritt 1: Museumspädagogischer Outreach zur Teilnehmer*innen-Gewinnung

Es findet ein museumspädagogischer Outreach statt, bei dem 12 (im ländlichen Raum 8 bis 10) Kinder und Jugendlichen zur kontinuierlichen Teilnahme gewonnen werden. Für die Ansprache bedeutet dies, dass je nach Zugang 15 bis 25 Kinder im Erstkontakt angesprochen werden. Erfahrungsgemäß entscheiden sich jedoch nicht alle Anwesenden für eine Teilnahme an dem Projekt.  

Unter Outreach versteht man museumspädagogische Angebote, die außerhalb des Museums an einem Ort durchgeführt werden, an dem Kinder und Jugendliche anzutreffen sind. Diese Ansprache wird durch Museumsmitarbeiter oder auch qualifizierte Ehrenamtliche gestaltet. Die sozialräumlichen Bündnispartner stellen sicher, dass vorrangig die beabsichtigte Zielgruppe angesprochen wird.

Bereits in diesem Schritt soll die Ansprache und Einbindung der Eltern erfolgen, z.B. mittels mehrsprachiger Informationsabende bzw. -blätter für die Eltern. Dieser Ansatz hat sich bereits in vorhergehenden Förderungen bewährt. Hier wird auf sehr niedrigschwellige Weise über die Strukturen des Museums, über dessen Bildungsmöglichkeiten und Angebote informiert. Weiterhin sollen die Eltern auf die etwaigen Bildungsangebote der Bündnispartner (sozialräumliche Träger) und weiterer städtischer bzw. kommunaler Einrichtungen (z.B. Volkshochschulen, Bibliotheken) aufmerksam gemacht werden. Diese elternbezogene Aktivität soll den Blick auf die Kultur- und Bildungsangebote im Sozialraum schärfen und die Idee vom lebenslangen Lernen stärken.

Die konkrete Ausgestaltung obliegt den Bündnissen vor Ort und orientiert sich an deren Gegebenheiten. 

 

Schritt 2: Ausbildung der Peer-Teamer*innen

Die in Schritt 1 gewonnenen Teilnehmenden werden zu Peer-Teamer*innen ausgebildet, damit diese im Folgenden Gleichaltrige (Peers) durch das Museum begleiten und anleiten können.

Das fachliche Ausbildungsprogramm umfasst einen Museums-Workshop (10 Stunden), einen Medien- Workshop (12 Stunden: Workshop plus 4 Stunden: Erstellung Museumsportrait in Schritt 2 oder in Schritt 3) sowie einen Präsentations-Workshop (4 Stunden) zur Stärkung der Vermittlungskompetenzen. Weiterhin kann ein Tagesworkshop zu einem Spezialthema (z.B. Restaurierung, Modellbau, Datensicherheit und -schutz im Internet) nach Bedarf angeboten werden. Die konkrete Ausgestaltung obliegt den Fachkräften und richtet sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmenden sowie den Gegebenheiten und Möglichkeiten des Museums sowie der Bündnispartner.

Für das Gelingen des gruppendynamischen Ausbildungs-Prozesses sind Treffen zum informellen Austausch (4 Stunden) möglich. Ein Ausflug in ein weiteres, nahegelegenes Museum soll die erworbenen Kompetenzen (z.B. in der Rezeption) festigen und gleichzeitig die Mobilität fördern. Es soll das Museum als Freizeit-Ort im Bewusstsein der Teilnehmenden verankern. Es ist möglich dieses informelle Angebot so zu konzipieren, dass es ebenso für die Elternarbeit mitgenutzt werden kann.

 

Schritt 3: Gemeinsam Museum entdecken

Die Peer-Teamer*innen begleiten die Peers durch das Museum (z.B. mit einer Museumsrallye) und leiten im Anschluss eine Vermittlungsaktivität in Form eines Workshops, bei dem z.B. ein mediales Museumsportrait (z.B. Foto-Collage, Actionbound) entstehen kann. Wünschenswert ist die Erstellung eines medialen Museumsportraits. Im Vordergrund steht jedoch die prozesshafte Auseinandersetzung mit dem Museum, seinen Inhalten, Vermittlungsangeboten und den Medien, die eine positive Bildungserfahrung bewirken soll. Die Erstellung des medialen Museumsportraits (Produkt) als Zielvorgabe wird daher nachrangig gewertet.  

Die mögliche Erstellung des Museumsportraits kann entweder mit den Peer-Teamer*innen in Schritt 2 oder mit den Peer-Teamer*innen und Peers in Schritt 3 angesetzt werden. (Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird es in der Musterkalkulation unter Schritt 2 beim Medien-Workshop aufgeführt.) 

Hierzu können alle Kernaufgaben und Aspekte des Museums (z.B. Museumsarchitektur oder Sammlung) in den Fokus gerückt werden. Es ist möglich, unter den Peer-Teamer*innen die Aktivitäten aufzuteilen: so können bspw. fünf Teamende Führungen verantworten und fünf die Aktivitäten der gleichaltrigen Besucher anleiten. Es sollen mindestens 20 bis 25 Peers bzw. im ländlichen Raum 12 bis 20 Peers erreicht werden, dies können Freund*innen, Mitschüler*innen, Geschwister sein.  

Eine gezielte Ansprache und Bewerbung ist nötig, denn die Gruppe der Peers soll ebenfalls den Kriterien der Förderrichtlinie entsprechen. Die gemeinsame Erkundung des Museums sowie die Vermittlungsaktivität umfassen mindestens vier Stunden. 

In dieser Phase werden auch die Eltern - wie in Schritt 1 vorbereitet - konkret eingebunden. Die Idee und Ausgestaltung zur Elterneinbindung in den sogen. Elternwerkstätten werden unter Anleitung einer Fachkraft mit den Teilnehmenden entwickelt und umgesetzt. 

 

Schritt 4: Öffentliche Präsentation

Die Ergebnisse der Museumserkundung und Vermittlungsaktivität sollen öffentlich vorgestellt (Präsentation) und möglichst langfristig in geeigneten Räumen der Bündnispartner oder des Museums präsent sein. Sofern die Vermittlungsaktivitäten dies ermöglichen, kann durch die mediale Aufbereitung in Form eines Blogs o.ä. zudem die mediale Peer-Gruppe angesprochen werden.

In dieser Phase sollen nochmal explizit alle Eltern angesprochen werden und zwanglos dazu kommen. Durch diese Form der Veröffentlichung erhalten die Teilnehmenden die gebührende Anerkennung. Gleichzeitig werden hier als Wertschätzung Teilnahmezertifikate und Museumspässe für den freien Eintritt überreicht.

 

Schritt 5: Auswertung

Hier werden der Durchführungsprozess und die Ergebnisse des Projekts ausgewertet. Dies geschieht auf der Ebene der Teilnehmenden unter individuellen und gruppendynamischen Aspekten. Auf der Ebene des Bündnisses werden die beteiligten Fachkräfte der Bündnispartner miteinbezogen. Hier sollen auch mögliche Folgeformate zur Bindung der Teilnehmenden über das Förderende hinaus entwickelt und initiiert werden. 

Für die Verankerung der Projektergebnisse und die Etablierung möglicher Folgeprojekte können hier Transfer- und Netzwerkaktivitäten mit kommunalen Vertreter*innen stattfinden. Formate hierzu werden mit den LZE auf dem Fachworkshop entwickelt und vorgestellt. 

 

 

Format 2: Ab ins Museum! (Offenes Format)

Das Format 2 ist für alle interessierten Antragsteller (Museen) offen.

Das Format 2 verfolgt den Ansatz, das positive Selbstkonzept und die Fähigkeiten zur Mitbestimmung weiterzuentwickeln. Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft und die Bereitschaft, für sich und andere im Rahmen des Projektes Verantwortung – z. B. durch die Übernahme bestimmter Aufgaben – zu übernehmen, sind Effekte dieser Formatidee. Das Format 2 kann auf sehr vielfältige inhaltliche und lokale Bedürfnisse angepasst werden.  

Dauer   Zwei Wochen (z. B. als Museumsfreizeit/-camp im Freilichtmuseum) bis sechs Monate (z. B.: als „Museumsclub“, d. h. Kurs mit regelmäßigen, wöchentlichen Treffen).
Frequenz   Mehrmalige Treffen, wiederholte Projektdurchführung mit anderen Teilnehmenden möglich und erwünscht.
Teilnehmendenzahl/ Stadt    Mindestens 15 Kinder und Jugendliche sowie ggf. deren Eltern und Geschwister.
Teilnehmendenzahl/ Land   Mindestens 10 Kinder und Jugendliche sowie ggf. deren Eltern und Geschwister.

Gesamtförderung

  Bis 12.000 Euro; siehe Musterkalkulation.

Format 2 hat einen prozessorientierten Charakter. Der mögliche Ablauf eines Projektes lässt sich bspw. wie folgt darstellen:

  • Ansprache und Gewinnung der Teilnehmenden
  • Einführung, Museumsbesuch, Themenentwicklung mit den Jugendlichen
  • Phasen mit Seminar-Charakter und selbständiger Arbeit (wöchentlich oder als Ferienfreizeit)
  • Überlegungen zur Gestaltung einer Präsentation/ Ausstellung/ Performance und deren Umsetzung
  • interne oder externe Präsentation
  • Abschluss und Auswertung

Die inhaltlich-methodische Ausgestaltung dieses Formats obliegt den Bündnissen mittels ihrer institutionellen und personellen Gegebenheiten. Das jeweilige Vorhaben ist im Antrag soweit möglich dazulegen. Von diesem offenen Format verspricht sich der Museumsbund weiterhin innovative Bildungsangebote für die anvisierte Zielgruppe. Auch bei diesem Format steht der beteiligende Zugang für Kinder und Jugendliche mit Bildungshemmnissen im Vordergrund. Denkbar sind hier alle Ansätze, welche die fünf Säulen der musealen Arbeit – Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln – in frei gewählter Form einbeziehen. Diese können mit verschiedensten, z.B. künstlerischen und kulturellen, medienvermittelnden und theaterpädagogischen Aktivitäten kombiniert werden. Es soll ein aktiver, lebendiger und vertiefter Zugang zum Museum geschaffen werden. Der gesamte Bildungs- und Vermittlungsprozess wird von Fachkräften der musealen Vermittlungsarbeit sowie der sozialpädagogischen Arbeit moderiert und begleitet. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen bringen eigene Ideen und Themen aus ihrer Lebenswelt in das prozessorientierte Angebot ein, dessen Abschluss eine Präsentation der Ergebnisse (z.B. in Form einer selbstkonzipierten medialen Ausstellung) bildet. Dadurch werden methodisch sowohl prozessorientierte als auch zielführende Aspekte miteinander verknüpft. 

Um positive Bildungseffekte zu provozieren, setzt der Museumsbund auf langfristige Projekte, z.B. als Museumsclub mit wöchentlichen Angeboten bzw. auf die konzentrierte, vertiefte Auseinandersetzung, z.B. in Form von Ferienakademien. Die aktive Vermittlungszeit durch die Fachkräfte mit den Teilnehmenden soll mind. 20 bis 50 Stunden umfassen.  

Für die Verankerung der Projektergebnisse und die Etablierung möglicher Folgeprojekte können hier Transfer- und Netzwerkaktivitäten mit kommunalen Vertreter*innen stattfinden. Formate hierzu werden mit den LZE auf dem Fachworkshop entwickelt und vorgestellt.  

Foto: Museum am Schölerberg

Inhaltlich hat sich die Kombination von naturwissenschaftlichen Inhalten und der kreativ-künstlerischen Umsetzung bewährt. Es macht die Kinder stolz und glücklich, mit den eigenen Händen etwas zu produzieren und es später den Eltern zu zeigen.”

Foto: Schoenen, Badisches Landesmuseum

“Da auch die Schule sehr stark an Kooperationen mit verschiedenen kulturellen Angeboten interessiert ist, um dadurch die fehlenden Zugänge ihrer Schülerschaft zu kulturellen Angeboten zu ermöglichen und die kulturelle Neugierde zu wecken, können wir uns auch hier weitere Kooperationen sehr gut vorstellen.”

“Dennoch hat die Projektleitung eine unglaubliche Dankbarkeit von den Teilnehmenden und ihren Familien erreicht: Dass das Wenige hat überhaupt stattfinden dürfen, der "Hunger nach Kultur", die Lust auf Kreativität und Gemeinschaft war bei allen deutlich spürbar.”